Der Klangkubus: Ein Klangkunstprojekt von Johannes Kotschy, ab 16. Juli wieder zu sehen im Gebäude des Tourisumusverbands MondSeeLand.
Dass die Welt der Töne sich nicht allein auf die zwölf temperierten Halbtöne, wie wir sie vom Klavier her kennen, beschränkt - das ist uns Europäern erst mit dem Kennenlernen exotischer Klänge der so genannten "außereuropäischen Musik" richtig vertraut geworden.
Überall auf der Welt wird musiziert, und oft in ganz anderen Tonsystemen. Ergänzt mit unseren gewohnten Tonstufen ergeben sie ein Geflecht von vielen Mikrotönen, deren Systematisierung noch aussteht.
Der im Mondseeland lebende Komponist Johannes Kotschy ist der Ansicht, dass die unterschiedlichen Tonsysteme einen gemeinsamen Ausgangspunkt haben müssen, und er sieht ihn in der physikalisch gegebenen Naturtonreihe, wie sie bei jeder Schwingung einer Saite oder einer Luftsäule bei Blasinstrumenten entsteht. Durch ihre Beziehung untereinander in Tonverwandtschaften hat er ein Netz von Mikrotönen zusammengestellt, in dem alle Töne in einem harmonischen Schwingungsverhältnis zueinander stehen - hörbar gemacht mit einem Instrument aus feingestimmten Messing-Röhrenglocken.
Der bei der ersten Biennale in Salzburg im März 2009 erstmals vorgestellte "Klangkubus" enthielt 100 solcher Messingröhrenglocken mit einer Länge von 80 bis 160 cm. Nebeneinander aufgehängt würden sie eine Wand von 15m Länge bedecken - deshalb wurden sie platzsparender in neun Reihen in einer würfelförmigen Stahlkonstruktion untergebracht. Dieses optisch eindrucksvolle Klangkunstobjekt hatte allerdings den Nachteil, dass die innen liegenden Röhrenglocken nicht mehr auf herkömmliche Art mit Hämmern angeschlagen werden konnten.
Kotschy hat dieses Problem dadurch gelöst, dass die Röhrenglocken nun mit Hilfe von Elektromagneten, von einem Spieltisch aus gesteuert zum Klingen gebracht werden. Es hatte einer Reihe von Versuchen bedurft, bis die geeigneten Hämmer und Anschlagstechniken gefunden waren: Nach einem Jahr intensiver Arbeit konnte nun der neue "Klangkubus" heuer im Sitzungssaal des ehemaligen Rathauses in Mondsee in Anwesenheit von Bürgermeister Karl Feurhuber und den Mitgliedern des Gemeinderats mit neuer Spieltechnik vorgeführt wurden.
Tatsächlich können mit diesem Instrument mit einem Umfang von 2 ½ Oktaven unter-schiedlichste Tonskalen gespielt werden, pythagoräische und reine Stimmungen ebenso wie arabische Maqamat und javanische Slendro und Pelogskalen. Um mit dem Instrument effektvoller musizieren zu können, hat Johannes Kotschy noch einige technische Verbesserungen vor - so soll die Tastatur programmierbar und damit vereinfacht werden, und die Nachklänge der Röhrenglocken mit ihren stehenden präzisen Tönen durch Tonabnehmer verstärkt. Eine Erweiterung des Tonvorrats auf 4 Oktaven mit insgesamt 256 einzelnen Tönen wäre sein angestrebtes Ziel.
Erstmals beim Festival "Kraftklänge"
Begonnen hat Johannes Kotschy das Projekt im Mai 2002 beim Festival "Kraftklänge" auf dem Irrsee im Salzkammergut. Drei mit jeweils 13 Klangröhren bestückte pyramidenartige Türme wurden auf Boote verbracht und vom See aus gespielt, und die mit Funkmikrofonen übertragenen Töne auf einer Anlage am Ufer gemischt. Diese dabei entstandenen neuartigen Klangkombinationen waren für den Komponisten der Anlass, sich weiter mit den "Klangtürmen" zu beschäftigen - sie wurden noch im gleichen Jahr beim Musikfest in Salzburg und in einer bereits veränderten Form anlässlich der "Woche der Mikrotonalen Musik" im Herbst 2008 im Foyer der Universität Mozarteum in Salzburg gezeigt. Doch erst mit dem Klangkubus konnte schließlich ein vollständiges Instrument entstehen. In gewissem Sinne stellt es eine Weiterentwicklung des von Harry Partch in den 70er Jahren entworfenen und von Dean Drummond in New York gebauten "Zoomoozoophones" dar, denn es bezieht nicht nur die in unserem geläufigen Tonsystem nicht verwendeten Septim- und 11er-Intervalle mit ein, sondern auch den13. Naturton, wodurch sich der Tonvorrat natürlich beträchtlich erhöht. Mit seinen 100 Röhrenglocken dürfte es heute wohl das weltweit größte Instrument seiner Art sein.
Besichtigung: Im Gebäude des Tourismusverbandes Mondsee, 2.Stock, nach Vereinbarung mit Herrn Kotschy. Telefonisch erreichbar unter 06232 4284.
ACHTUNG: Besichtigungen sind erst wieder ab 16. Juli 2010 möglich.